Annette Nesselhauf

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Bewegen und Lernen

 

„Organisches Lernen ist grundlegend, daher unerlässlich. Es kann auch therapeutisch wirken. Lernen ist gesünder, als Patient zu sein oder

sogar als geheilt zu werden. Leben ist kein Ding, sondern ein Prozess. Prozesse aber gehen gut, wenn es viele Wege gibt, sie zu beeinflussen.

Um das zu tun, was wir möchten, brauchen wir mehr Wege als nur den einen, den wir kennen – mag er auch an sich ein guter Weg sein.“

(M. Feldenkrais: Entdeckung des Selbstverständlichen, 1987, S. 57)

So haben wir alle begonnen – mit Somatischem Lernen oder, wie Moshé Feldenkrais es nannte, mit Organischem Lernen. Organisches Lernen

ist mit unserer Bewegungsentwicklung verknüpft: Wir lernten zu greifen, zu rollen, zu krabbeln, uns aufzurichten, zu gehen. Wir lernten sprechen, singen, uns auszudrücken und vieles mehr. Keiner hat uns das beigebracht, sondern wir lernten durch Nachahmung und eigenes Erforschen im Kontext unserer Umgebung.

Motivation für diese Art Lernen war die eigene Neugier, die Wissbegierde auf die Welt, sich in ihr zurecht zu finden, die Absicht,

etwas tun zu wollen, etwas zu erreichen, sich fortzubewegen, in Beziehung zu treten. Das Barometer – das die eigenen Möglichkeiten

und Grenzen aufzeigt – ist das sinnlich-körperliche Wohlgefühl, das wir als kleines Kind ganz unmittelbar wahrnehmen und empfinden.

Bewegung und Lernen – die Entstehung notwendiger und sinnvoller Vernetzungen im Gehirn – sind vom ersten Lebenstag an eng miteinander verbunden. In den Bewegungsfolgen der Feldenkrais-Methode wird unser Nervensystem herausgefordert, neue Lösungen für alltägliche Bewegungen zu finden; Bewegungen, die effektiver werden – also weniger Kraftaufwand erfordern – und damit müheloser, leichter, eleganter sind.

Somatisches Lernen braucht eine Atmosphäre von Wertschätzung und Respekt, braucht Aufmerksamkeit, die nicht urteilt oder bewertet;

Somatisches Lernen passiert, wenn es „erlaubt ist“, Fehler zu machen, wenn genug Zeit da ist, wenn Lust und Neugier entstehen darf …